Hector Berlioz
(1803-1869)

L'enfance du Christ op. 25 (1854)
Trilogie sacrée en 3 actes et 7 tableaux



Opernfiguren und Heiligenbilder

Die Entstehung der Trilogie zog sich über mehrere Jahre hin und begann 1850 zufällig, aus einer Laune heraus. Berlioz war zu Gast auf einer Abendgesellschaft und langweilte sich unter den kartenspielenden Herren so demonstrativ, daß ihn sein Freund, der Architekt Duc, bat, ihm doch wenigstens ein kleines Musikstück zu schreiben. So entstand der Chor der Hirten von Betlehem, die sich vom Jesuskind verabschieden, während sich die Heilige Familie auf den Weg nach Ägypten macht.
Mit L'enfance du Christ gelingt Berlioz eine erstaunliche Verbindung von musikalischem Drama mit ruhig betrachtenden Ensemblestücken und Chören aus dem Bereich der Kirchenmusik. Die dramatischen Szenen werden nicht durch eine Handlung aufgelöst, sondern vom Erzähler miteinander verknüpft. Dadurch geht zwar die Spannung einer Oper verloren, aber ungeahnte Möglichkeiten für Zeitsprünge und Ortswechsel eröffnen sich: eben noch am Hof des Königs Herodes bei der gespenstischen Beschwörung der Wahrsager, kurz darauf in der Idylle des Stalles von Betlehem.

Tilman Schlömp
Zeichen 10569

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