Luciano Berio
(1925- 2003)

Sinfonia
für 8 Singstimmen und Orchester


Zwischen Avantgarde und Postmoderne

"Ich habe oft Musik gehört, bei der ich mich fragte, warum der Komponist für seine Manipulationen Töne ausgewählt hat und nicht Eier, Hemdenknöpfe, Horoskope oder Coca-Cola-Flaschen. Die größten Missverständnisse hinsichtlich der seriellen Musik rühren daher, dass die sogenannte Technik der klassischen Dodekaphonie für viele Komponisten und Musikwissenschaftler mit struktureller Kraft ausgestattet war." Luciano Berios tiefes Misstrauen gegenüber seriellen Techniken, eines nur auf sich selbst bezogenen Kompositionssystems, hängt mit der zentralen Stellung des Expressiven in seiner Musik zusammen. Konkrete klangliche Ergebnisse standen für ihn im Vordergrund. Dahinter trat der theoretische Überbau zurück. Entscheidend war für ihn die Verbindung unterschiedlicher Materialien, Techniken und Stile. Er verstand Musik "als Suche nach einer Grenze, die immer weiter zurückgeschoben wird." Dabei waren es vor allem die Wechselwirkungen zwischen Musik und Sprache, die ihn faszinierten und die er in zahlreichen Arbeiten seit den 1950er Jahren thematisierte.

Martin Demmler
Zeichen 8205

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