Ludwig van Beethoven
(1770-1827)
Streichquartett cis-Moll op. 131
"Zusammengestohlen aus verschiedenem diesem und jenem"
notierte Beethoven auf dem Titelblatt der Stichvorlage seines Streichquartetts
op. 131 und wollte damit dem Verleger eins auswischen: "Sie schrieben, daß
es ja ein original quartett seyn sollte, es war mir empfindlich, aus Scherz schrieb
ich daher bey der Aufschrift, daß es zusammengetragen, Es ist Unterdessen
Funkel nagelneu." Er hatte das Quartett Ende 1825 in Angriff genommen und
meldete dem interessierten Verlag Schott am 16. Juli 1826 dessen Fertigstellung.
Es ist von den insgesamt 16 Streichquartetten das vorletzte Quartett, das Beethoven
acht Monate vor seinem Tod schrieb. Mit seinen sieben durchgehenden Sätzen
stellte es die Musiker des Schuppanzigh-Quartetts vor Probleme wie diese: "Muß
es ohne aufzuhören durchgespielt werden? -- Aber dann können wir nichts
wiederholen! -- Wann sollen wir stimmen", fragte der 2. Geiger Karl Holz
und schrieb in seinen Erinnerungen: "Es wurde trotz aller Vorstellungen wegen
des Nachstimmens der Instrumente, und der Ermüdung der Zuhörer, nur
eine kurze Pause nach dem Presto E-Dur (nicht etwa vor demselben) von Beethoven
zugestanden."
Das Quartett wird häufig als Beethovens letztes experimentelles Werk betrachtet.
Die ineinander übergehenden Sätze (Beethoven bevorzugte den Begriff
"Stücke") von extrem unterschiedlichen Längen bergen vielfältige
formale und kompositionstechnische Elemente sowie instrumentatorische Effekte
wie pizzicato oder das Spiel auf dem Griffbrett (sul ponticello). Diese verbinden
sich in Beethovens eigenwilligem Denken und Fühlen zu einem neuen musikalischen
Organismus, der "mit der klassischen Terminologie nur unzulänglich beschrieben
werden kann." (Gerd Indorf)
Christine Mitlehner
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