Ludwig van Beethoven
(1770-1828)

Streichquartett Es-Dur op. 74
Harfenquartett


Dass er "nächtens über Quartetten, die ich schreibe" sitze, schrieb Beethoven im Jahr 1809 kurz nach der Besetzung Wiens durch die Truppen Napoleons. Vor der Reihe der späten Quartette, die mit dem Es-Dur-Quartett op. 127 aus den Jahren 1822-1825 einsetzt, schrieb Beethoven dann jedoch nur zwei Streichquartette: Jenes in Es-Dur op. 74, das sogenannte "Harfenquartett" aus dem besagten Jahr, auf das sich Beethoven in seinem Brief offensichtlich bezog, und 1810 eines in f-Moll, op. 95, das Beethoven selbst "Quartetto serioso" nannte. Offensichtlich hatte Beethoven 1809 also eine Serie von Streichquartetten in Angriff genommen, die er nach der Komposition des Es-Dur-Quartetts dann abbrach, um es von einem weiteren Einzelwerk folgen zu lassen. Dass das "Harfenquartett" mitunter auch "Lobkowitz-Quartett" genannt wird, hat seinen Ursprung zwar in der Tatsache, dass Beethoven seine Komposition dem Fürsten Franz Joseph von Lobkowitz widmete, doch hatte der Fürst keineswegs eine Serie von Quartetten beim Komponisten bestellt, wie das bei den nach ihrem Auftraggeber benannten "Rasumowsky-Quartetten" op. 59 der Fall war. Die Widmung war eine taktisch wohlberechnete Dankesgeste Beethovens - war ihm von Lobkowitz, Fürst Ferdinand Kinsky und Erzherzog Rudolph 1809 doch eine jährliche Rente von 4000 Gulden in Aussicht gestellt worden.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4699
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