Ludwig van Beethoven
(1770-1827)

14 Variationen über "Ja, ich muss mich von ihr scheiden" aus dem Singspiel "Das rothe Käppchen" von
Carl Ditters von Dittersdorf Es-Dur op. 44

für Klavier, Violine und Violoncello


Ein seltsames "Thema" prägt das Variationswerk op. 44:
Es ist nichts weiter als ein alla breve wellenförmig auf- und abwärts geführter, gebrochener Dreiklang, dessen Achtelnoten mit Achtelpausen von den drei Instrumenten unisono hingetupft werden und der in kadenzierenden Akkorden als vollkommenster Ausdruck der Es-Dur-Tonart endet.
Um das "Thema" besser beurteilen zu können, muss man die Vorlage kennen.
Beethoven entnahm es dem Singspiel "Das rothe Käppchen oder Hilft's nicht, so schadt's nicht", dessen Komponist und Librettist Carl Ditters von Dittersdorf (1739-1799) ist. Die Uraufführung war 1788 in Wien. Es handelt sich um die Arie des Dorfschulzen Hans Christoph Nitsche, der ständig (grundlos) eifersüchtig auf seine Frau ist und nun mit tönender Bassstimme verkündet, sich von seiner Frau zu trennen.
In vierzehn Variationen wird das Thema des begleitenden Orchesterbasses bei vorwiegender Beibehaltung seines harmonischen und formalen Gerüsts figurativ "aufgefüllt", aber auch zerlegt. Deutlich gliedert sich das Werk in zwei Teile: eine erste Zäsur setzt die Moll-Variation Nr. VII. Beim Einsatz der Variation VIII bringt sich das Thema im Bass des Klaviers derart klar in Erinnerung, dass man von einer Neueröffnung des Variationsspiels sprechen kann. Die Variation Nr. XIII bildet wie Nr. VII eine zweite Moll-Zäsur, und das abschließende Allegro "gönnt sich (in Form einer Doppelvariation) die wiederholende Rückschau auf jeden Thementeil" (Robert Foster).

Christine Mitlehner
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