Ludwig van Beethoven
(1770-1827)

Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur op. 72 a


Daß Beethoven auf dem Gebiet der Oper zumindest quantitativ weit hinter den führenden zeitgenössischen Opernkomponisten zurückblieb, scheint mancher romantische Apologet beim Schaffen des Beethoven-Mythos als Makel empfunden zu haben, der durch gezwungene Perspektivenverengung getilgt werden mußte. Was bot sich hierfür Besseres an als die einzigartige Leistung von vier Ouvertüren für Fidelio/Leonore »ein denkwürdiges Zeugnis einesteils des Fleißes und der Gewissenhaftigkeit, andernteils der wie im Spiel schaffenden und zerstörenden Erfindungskraft dieses Beethoven, in den die Natur nun einmal verschwenderisch niedergelegt, wozu sie sonst tausend Gefäße braucht. Dem großen Haufen freilich gilt es gleich, ob Beethoven zu einer Oper vier Ouvertüren schrieb und ob z.B. Rossini zu vier Opern eine Ouvertüre.« Deutsche Gründlichkeit und Naturbegabung vs. welsche leichte Kost und tumbe Massenware, so setzt Robert Schumann 1839 die Wertigkeiten. Ganz ohne chauvinistischen Beiklang und »deutschen kollektiven Narzißmus« ging es offenbar nicht, wenn es galt, die Besonderheiten der Beethovenschen Ouvertüren und das »reiche Gemüt des Meisters in seiner Werkstatt« zu ergründen.

Christian Katzschmann
Zeichen 8799

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