Ludwig van Beethoven
(1770-1827)

Variationen über "Ich bin der Schneider Kakadu" aus
"Die Schwestern von Prag" von W. Müller G-Dur op. 121 a

für Klavier, Violine und Violoncello


Wie in op. 11 bildet auch in op. 121a ein typischer "Gassenhauer" das zu variierende Thema: Es ist das volkstümliche Lied des Schneidergesellen Crispin "Ich bin der Schneider Wetz und Wetz" aus dem Singspiel "Die Schwestern von Prag" von Wenzel Müller (1767-1835). "Wetz" bedeutet so viel wie "scharf sein", weshalb dieses etwas anrüchige Wort für die Herausgabe der Beethovenschen Variationen nicht in Frage kam. So wurde aus dem Schneider Wetz kurzerhand ein Schneider Kakadu...
Anders als in den vorherigen Variationswerken stellt Beethoven das Thema nicht gleich vor, sondern eröffnet das Stück mit einer langsam-getragenen, ausdrucksvollen und stark modulierenden Introduzione in g-moll, die die dunkle Atmosphäre der Mozartschen c-moll Fantasie KV 475 beschwört. Im Laufe dieser Einleitung treten Themenfragmente, die sich als solche dem Hörer noch nicht erschließen können, in tropfenden Staccati, versehen mit einigen unbeherrschten Sforzati, hervor. Erst die Rückerinnerung, nachdem das Thema vorgestellt wurde, lässt sie erkennbar werden. Der Kontrast des letztlich banalen "Wetz"-Themas, das anschließend in einem eigenständigen Allegretto-Satz erklingt, zu dieser sich kompliziert gebenden Einleitung ist ebenso bizarr wie komisch.

Christine Mitlehner
Zeichen 4925

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