Variationen über "Ich bin der Schneider
Kakadu" aus
"Die Schwestern von Prag" von W. Müller G-Dur op. 121 a
für Klavier, Violine und Violoncello
Wie in op. 11 bildet auch in op. 121a ein typischer "Gassenhauer"
das zu variierende Thema: Es ist das volkstümliche Lied des Schneidergesellen
Crispin "Ich bin der Schneider Wetz und Wetz" aus dem Singspiel "Die
Schwestern von Prag" von Wenzel Müller (1767-1835). "Wetz"
bedeutet so viel wie "scharf sein", weshalb dieses etwas anrüchige
Wort für die Herausgabe der Beethovenschen Variationen nicht in Frage kam.
So wurde aus dem Schneider Wetz kurzerhand ein Schneider Kakadu...
Anders als in den vorherigen Variationswerken stellt Beethoven das Thema nicht
gleich vor, sondern eröffnet das Stück mit einer langsam-getragenen,
ausdrucksvollen und stark modulierenden Introduzione in g-moll, die die dunkle
Atmosphäre der Mozartschen c-moll Fantasie KV 475 beschwört. Im Laufe
dieser Einleitung treten Themenfragmente, die sich als solche dem Hörer
noch nicht erschließen können, in tropfenden Staccati, versehen mit
einigen unbeherrschten Sforzati, hervor. Erst die Rückerinnerung, nachdem
das Thema vorgestellt wurde, lässt sie erkennbar werden. Der Kontrast des
letztlich banalen "Wetz"-Themas, das anschließend in einem eigenständigen
Allegretto-Satz erklingt, zu dieser sich kompliziert gebenden Einleitung ist
ebenso bizarr wie komisch.
Christine Mitlehner
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