Ludwig van Beethoven
(1770-1827)

Große Fuge B-Dur op.133


Die unerhörte Schwierigkeit und Rücksichtslosigkeit haben das Werk zu einer Herausforderung für Interpreten gemacht. Arnold Schering gab eine poetische Deutung als Walpurgisnacht, geistreich, aber ohne ausreichende Begründung. Die meisten Autoren beschränken sich auf formal-ästhetische Analysen, erklären wie Scherchen und Grew das Werk aus sich selbst. Eine beliebte "Lösung" zwingt es in die geläufige Form des Sonatenzyklus, bzw. des Sonatensatzes. Auch an den in der Beethovenliteratur wohlbekannten pseudometaphysischen Deutungen hat es nicht gefehlt, hier findet sich das offenbar unvermeidliche transzendentale "Ringen", wie es Erwin Ratz beschreibt:
Und das ist die Bedeutung der "Großen Fuge": in ihr ist der Gegensatz, in dem das Ich zur Welt zunächst steht, überwunden; das Ich erlebt nunmehr in sich das Walten jener geistig-göttlichen Kräfte, die auch in der gesamten sichtbaren und unsichtbaren Welt wirksam sind. Aber diese Einheit muß immer wieder neu errungen werden. Und Beethovens Leben ist ein immerwährendes Ringen, das ihn zu immer höheren Stufen der Vollendung gelangen läßt.
Weit entfernt von allen vagen philosophischen Deutungen oder abstrakten formalen Korsetts, in die die Große Fuge gezwängt wurde, bekennt Igor Strawinsky:

Jetzt, mit 80, habe ich neue Freude bei Beethoven gefunden. Die Große Fuge, zum Beispiel, scheint mir das perfekteste Wunder der Musik (...) Sie ist auch das absolut zeitgenössischste Musikstück, das ich kenne, und zeitgenössisch für immer.

Christine Mitlehner
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