Große Fuge B-Dur op.133
Die unerhörte Schwierigkeit und Rücksichtslosigkeit
haben das Werk zu einer Herausforderung für Interpreten gemacht. Arnold
Schering gab eine poetische Deutung als Walpurgisnacht, geistreich, aber ohne
ausreichende Begründung. Die meisten Autoren beschränken sich auf
formal-ästhetische Analysen, erklären wie Scherchen und Grew das Werk
aus sich selbst. Eine beliebte "Lösung" zwingt es in die geläufige
Form des Sonatenzyklus, bzw. des Sonatensatzes. Auch an den in der Beethovenliteratur
wohlbekannten pseudometaphysischen Deutungen hat es nicht gefehlt, hier findet
sich das offenbar unvermeidliche transzendentale "Ringen", wie es
Erwin Ratz beschreibt:
Und das ist die Bedeutung der "Großen Fuge": in ihr ist der
Gegensatz, in dem das Ich zur Welt zunächst steht, überwunden; das
Ich erlebt nunmehr in sich das Walten jener geistig-göttlichen Kräfte,
die auch in der gesamten sichtbaren und unsichtbaren Welt wirksam sind. Aber
diese Einheit muß immer wieder neu errungen werden. Und Beethovens Leben
ist ein immerwährendes Ringen, das ihn zu immer höheren Stufen der
Vollendung gelangen läßt.
Weit entfernt von allen vagen philosophischen Deutungen oder abstrakten formalen
Korsetts, in die die Große Fuge gezwängt wurde, bekennt Igor Strawinsky:
Jetzt, mit 80, habe ich neue Freude bei Beethoven gefunden.
Die Große Fuge, zum Beispiel, scheint mir das perfekteste Wunder der Musik
(...) Sie ist auch das absolut zeitgenössischste Musikstück, das ich
kenne, und zeitgenössisch für immer.
Christine Mitlehner
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