Béla Bartók
(1881-1945)

1. Sonate für Violine und Klavier SZ 75 (1921)


Mit der Regierungsübernahme von Miklós Horthy begann eine rückwärtsgewandte Reglementierung der ungarischen Kultur, der sich viele Künstler durch Flucht entzogen. Diejenigen, die in der Heimat blieben und sich durch oppositionelles Verhalten verdächtig machten, sahen sich der Willkür von Disziplinarverfahren ausgesetzt und von ihren Positionen suspendiert. Auch Bartók spielte mit dem Gedanken zu emigrieren. Da er in Wort und Schrift mit seinen Überzeugungen nicht hinterm Berg hielt, erntete er Hetze und Verleumdungen. Inzwischen waren westeuropäische Musikzentren auf den ungarischen Komponisten aufmerksam geworden und luden ihn nach London und Paris ein. Für Auftritte in London setzte sich auch die ungarische Geigerin Jelly d'Arányi ein, die Bartók aus Studienzeiten kannte, und die seit dem Ersten Weltkrieg in London lebte. Für sie komponierte Bartók die 1. Violinsonate, die er Ende 1921 vollendete, um sie mit ihr in London am 24. März 1922 (nach der Uraufführung in Wien am 8. Februar 1922 mit Mary Dickenson-Auner und Eduard Steuermann) dem britischen Musikpublikum zum ersten Mal vorzustellen.

Christine Mitlehner
Zeichen 7489

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