Johann Sebastian Bach
(1685-1750)

Sonate für Violine solo Nr. 1 g-Moll BWV 1001


Während die Autographen von Bachs sechs Solo-Cellosuiten verschollen sind und ihre Entstehungszeit daher nicht genau bestimmt werden kann, lassen sich die Sonaten für Violine solo zumindest annähernd datieren: 1720 fertigte Bach eine Reinschrift von je drei Sonaten und Partiten für Violine "ohne begleitenden Bass" an. Damit stellte er in einer Werkgruppe zwei zentrale kammermusikalische Gattungen des Barockzeitalters einander kontrastierend gegenüber. Während Bach die Partiten für Violine solo formal noch weiter ausbaut, folgen die drei Sonaten ausnahmslos dem Muster der italienischen sonata da chiesa (langsam - schnell - langsam - schnell).
Im direkten Vergleich mit Bachs Suiten und Partiten müssen sich seine Sonaten für Violine solo ungleich abstrakter ausnehmen. Weder schwungvolle tänzerische Rhythmen noch galante Melodiewendungen vermitteln hier zwischen Bachs grenzenlosem musikalischen Einfallsreichtum und dem diese Fülle kaum fassenden Ohr des Musikliebhabers. Dass der Komponist selbst Violine spielte und seine genauen Kenntnisse des Instruments in die Kompositionen einfließen ließ, macht sie nicht zugänglicher: Angesichts ihrer exorbitanten technischen Schwierigkeiten konnte sich Bachs erster Biograph Johann Nikolaus Forkel die Solosonaten Anfang des 19. Jahrhunderts nur als Studienwerk erklären, das "einen Lehrbegierigen seines Instrumentes völlig mächtig" macht.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 4570

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