Johann Sebastian Bach
(1685-1750)

Passacaglia c-Moll BWV 582
für Orgel


Unter Johann Sebastian Bachs Orgelwerken (Präludien, Fugen, Toccaten, Fantasien, Konzerten, Choralvorspielen oder Choralvariationen) findet sich nur ein ausdrücklich "Passacaglia" genanntes Werk, das sich bis heute bei Spielern und Hörern allergrößter Beliebtheit erfreut.
Die Passacaglia ist eine Form der kontrapunktischen Variation über einem stets wiederkehrenden Baßthema ("basso ostinato"). Der Lübecker Organist und Komponist Dietrich Buxtehude war der erste, der diesen Begriff auf die Variationsform anwendete: "Man erinnert sich, daß wir die Ciaconen und den Passacaglio Buxtehudes als Muster ihrer Art hinstellen mußten, die auch Bach nicht wesentlich mehr überboten habe, weshalb er im allgemeinen der Gattung ferngeblieben sei". (Philipp Spitta: Johann Sebastian Bach, Leipzig 1930). Bach war im Oktober 1705 nach Lübeck gewandert, um sich bei Buxtehude weiteres musikalisches Rüstzeug zu holen, weshalb der Organist Peter Dicke mit Recht darauf verweist, daß die Bachsche Passacaglia in Form und einzelnen kompositionstechnischen Details mit Buxtehudes d-Moll Passacaglia in Verbindung gebracht werden kann. Darüber hinaus sei die verbreitete Ansicht, Bach habe die ersten vier Takte seines Themas einer 1688 im "Livre d'Orgue" veröffentlichten Orgelmesse von André Raison entnommen, derart dezidiert nicht haltbar: Es war in damaliger Zeit guter Brauch, sich bekannter und beliebter Themenmodelle für die eigenen Kompositionen zu bedienen. Das Passacaglia-Thema tauchte schon häufiger vor Bach auf und ist sogar - wie Peter Dicke feststellt - auf eine Communio im gregorianischen Choral "acceptabis" zurückzuführen, die ebenfalls das Anfangsmaterial dieses Themas bietet.
Über diesem Baßthema baute Bach zwanzig mächtige, im Ausdruck kontrastreiche Variationen auf, wobei das Thema auch in die oberen Stimmen wandert mit strenger Festhaltung der Haupttonart. Typisch für den Aufbau des Werks ist die konstante Ausweitung des Tonraums. Den Abschluß bildet eine Fuge.
Da Original und Abschrift verschollen sind, ist nicht sicher feststellbar, wann Bach die Passacaglia komponiert hat.

Christine Mitlehner
Zeichen 2098

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