Passacaglia c-Moll BWV 582
für Orgel
Unter Johann Sebastian Bachs Orgelwerken (Präludien,
Fugen, Toccaten, Fantasien, Konzerten, Choralvorspielen oder Choralvariationen)
findet sich nur ein ausdrücklich "Passacaglia" genanntes Werk,
das sich bis heute bei Spielern und Hörern allergrößter Beliebtheit
erfreut.
Die Passacaglia ist eine Form der kontrapunktischen Variation über einem
stets wiederkehrenden Baßthema ("basso ostinato"). Der Lübecker
Organist und Komponist Dietrich Buxtehude war der erste, der diesen Begriff
auf die Variationsform anwendete: "Man erinnert sich, daß wir die
Ciaconen und den Passacaglio Buxtehudes als Muster ihrer Art hinstellen mußten,
die auch Bach nicht wesentlich mehr überboten habe, weshalb er im allgemeinen
der Gattung ferngeblieben sei". (Philipp Spitta: Johann Sebastian Bach,
Leipzig 1930). Bach war im Oktober 1705 nach Lübeck gewandert, um sich
bei Buxtehude weiteres musikalisches Rüstzeug zu holen, weshalb der Organist
Peter Dicke mit Recht darauf verweist, daß die Bachsche Passacaglia in
Form und einzelnen kompositionstechnischen Details mit Buxtehudes d-Moll Passacaglia
in Verbindung gebracht werden kann. Darüber hinaus sei die verbreitete
Ansicht, Bach habe die ersten vier Takte seines Themas einer 1688 im "Livre
d'Orgue" veröffentlichten Orgelmesse von André Raison entnommen,
derart dezidiert nicht haltbar: Es war in damaliger Zeit guter Brauch, sich
bekannter und beliebter Themenmodelle für die eigenen Kompositionen zu
bedienen. Das Passacaglia-Thema tauchte schon häufiger vor Bach auf und
ist sogar - wie Peter Dicke feststellt - auf eine Communio im gregorianischen
Choral "acceptabis" zurückzuführen, die ebenfalls das Anfangsmaterial
dieses Themas bietet.
Über diesem Baßthema baute Bach zwanzig mächtige, im Ausdruck
kontrastreiche Variationen auf, wobei das Thema auch in die oberen Stimmen wandert
mit strenger Festhaltung der Haupttonart. Typisch für den Aufbau des Werks
ist die konstante Ausweitung des Tonraums. Den Abschluß bildet eine Fuge.
Da Original und Abschrift verschollen sind, ist nicht sicher feststellbar, wann
Bach die Passacaglia komponiert hat.
Christine Mitlehner
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