Johann Sebastian Bach
(1685-1750)

Johannespassion BWV 245


Schon die sogenannten "Passionsoratorien", die seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland beliebt waren, mussten sich den Vorwurf des allzu "Opernmässigen" gefallen lassen. Sie erzählten die Leidensgeschichte Jesu in zeitgenössischen Neudichtungen, die nicht mit Sensationen geizten. So warben in den weltoffenen Handelsmetropolen Hamburg und Frankfurt reisserische Titel wie "Der blutige und sterbende Jesus" oder "Der für die Sünden dieser Welt gemarterte und sterbende Jesus" um die Gunst des Publikums - noch dazu in Vertonungen von Komponisten wie dem damaligen Hamburger Operndirektor Reinhard Keiser oder seinem Rivalen, dem gleichermassen opernbeflissenen Georg Friedrich Telemann! Doch damit nicht genug: Jesu Gang zum Kreuz wurde in dieser Form zu einem Kassenschlager...
Nach dem grossen Zuspruch, den diese Passionsvertonungen in den folgenden Jahren auch beim Leipziger Publikum fanden, konnte Bachs Amtsvorgänger Johann Kuhnau dann 1721 durchsetzen, dass auch an der traditionsreichen Thomaskirche erstmals eine oratorische Passionsmusik aufgeführt wurde. Die Nicolaikirche zog im folgenden Jahr nach, und so entstand der Leipziger Brauch, Passionen im Jahresturnus abwechselnd an beiden Kirchen aufzuführen.

Mark Schulze Steinen
Zeichen 7552

Zu diesem Werk ist auch ein Text von Anja Lachmann lieferbar
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