Johann Sebastian Bach
(1685-1750)

Goldberg-Variationen BWV 988
Vierter Teil der Clavier-Übung
bestehend in einer Aria mit verschiedenen Veränderungen


Die Goldberg-Variationen sind - auch in Bachs Gesamtwerk - ein einzigartiger Zyklus, in dem sich Bach als musikantischer Gelehrter, spielerisch Denkender, gewitzter Theoretiker und leicht-sinniger Systematiker mit einem an Leibniz gemahnenenden Streben nach Harmonisierung und Vermittlung offenbart. Es gelingt ihm in seinen Veränderungen, Polyphonie in Homophonie aufgehen zu lassen, kontrapunktische Kompositionsprinzipien in die neue Dur-Moll-Tonalität einzubetten und lineares und vertikales Denken gleichmäßig auszubalancieren. Es gelingt ihm weiter, aus einer harmonisch festgelegten Kadenz eine Fülle von Strukturen zu erzeugen mit den polyphonen Mitteln der Nachahmung (Imitation) und des Kanons und dabei gleichzeitig die kontrapunktische Linienführung mit Ausdrucksqualitäten zu erfüllen. Rationalität und Konstruktivismus bilden auf wahrhaft geniale Weise das Fundament für eine Fülle lebendiger, farbiger, voneinander abgeleiteter und aufeinander bezogener Erscheinungsformen, die am Schluß in einem heiteren Quodlibet über zwei Volksliedmelodien gipfeln. Was für ein Beispiel für die glückliche Vereinigung von Popularmusik und Kunstmusik!

Christine Mitlehner
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