Johann Sebastian Bach
(1685-1750)
"Gelobet seist du, Jesu Christ"
Kantate zu 1. Weihnachtstag BWV 91
An der tiefen Gläubigkeit von Johann Sebastian
Bach ist nie gezweifelt worden. Abgesehen von wenigen überlieferten Äußerungen
des Komponisten zu Themen wie Kirche oder Glauben, ist es vor allem seine Musik,
die in den Augen der Nachwelt den Beweis dafür antritt, dass Bach ein frommer
Mensch gewesen sein muss. Übersehen wird indes oft zweierlei: dass aktives
Christentum zu Lebzeiten Bachs noch eine sämtliche Lebensbereiche umfassende,
"allgemein verbindliche gesellschaftliche Norm" darstellte (Martin
Petzold) - und dass Bach den Großteil seiner Kirchenmusik im Zusammenhang
mit seinen Ämtern als Organist in Mühlhausen und Weimar bzw. als Kantor
der Leipziger Thomaskirche schrieb. Wäre seine Laufbahn nach der vorübergehenden
Anstellung als Hofkapellmeister in Köthen in weltlichen Bahnen verlaufen,
wir hätten heute sicherlich ein anderes Bild von dem Komponisten, Menschen
und Christen Bach.
Die Kantate zum Ersten Weihnachtsfeiertag BWV 91 komponierte Bach in seinem
zweiten Amtsjahr als Thomaskantor. Sie gehört damit zu der Gruppe von "Choralkantaten",
die Bach und sein unbekannter Textautor (möglicherweise der Konrektor der
Thomasschule, Andreas Stübel) 1724 als Großprojekt in Angriff genommen
hatten: Sowohl Text als auch Musik der Kantate BWV 91 basieren auf dem aus der
Feder von Martin Luther stammenden Choral "Gelobet seist du, Jesu Christ".
Mark Schulze Steinen
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