Isaac Albéniz
(1860-1909)
Suite española op.47
für Orchester
Isaac Albéniz, dessen rastlose
Biographie sich liest, als hätte Jack London das Leben Mozarts frei nacherzählt,
kann als südländischer Nachfahre Chopins bezeichnet werden. Sein reichhaltiges
Oeuvre von über 500 Werken wird von Kompositionen für Klavier dominiert,
in denen er die Rhythmen und Melodien seines Heimatlandes in einen brillanten
Klaviersatz bettet, ohne das folkloristische Element in den Vordergrund treten
zu lassen. Wie Chopin übernahm Albéniz keine authentischen Melodien
seiner Heimat, sondern liess sich bei der Melodiefindung von charakteristischen
Merkmalen der Musik Spanien leiten. Seine zahlreichen Reisen machten Albéniz
jedoch auch mit anderen Einflüssen vertraut, und der rege Kontakt, den
er nach seiner Übersiedelung nach Paris im Jahr 1893 mit Paul Dukas, Claude
Debussy, Vincent d'Indy und Gabriel Fauré pflegte, blieb nicht ohne Auswirkungen
auf seine Kompositionen.
Ein musikalisches Wunderkind, das bereits im Alter von vier Jahren zum erstenmal
als Pianist öffentlich in Erscheinung trat, hatte Albéniz als Zehnjähriger
sein Elternhaus verlasssen, um Konzerte in Kastilien zu geben. Zwei Jahre später
setzte er als blinder Passagier an Bord eines Überseedampfers nach Südamerika
über, wo er abenteuerliche Konzertreisen durch Argentinien, Brasilien,
Uruguay, Kuba und Puerto Rico unternahm. Über San Francisco kehrte er nach
Europa zurück, um in Leipzig und Brüssel Klavier zu studieren. Den
letzten pianistischen Schliff erhielt er durch Franz Liszt, den Albéniz
im August 1880 kennengelernt hatte. Es folgten zehn vergleichsweise ruhige Jahre,
in denen sich Albéniz, nunmehr in Barcelona ansässig; neben verschiedenen
Konzertreisen vor allem seiner 1883 gegründeten Familie widmete, bis er
in den neunziger Jahren seine Karriere als Pianist aufgab, um sich ganz dem
Komponieren zu widmen.
Mark Schulze Steinen
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