LINGUA TERTII IMPERII oder die Sprache der bundesrepublikanischen Medien?

Vorspann

"Aber noch konnte der Genius eines Volkes mit dem Buchdrucker sich verständigen, so kläglich ihm der Verkehr auch ankommen mochte;
mit der Erfindung der Zeitungen, seit dem vollen Aufblühen des Journalwesens, mußte jedoch dieser gute Geist des Volkes
sich gänzlich aus dem Leben zurückziehen.
Denn jetzt herrschen nur noch Meinungen, und zwar 'öffentliche'; diese sind für Geld zu haben, wie die öffentlichen Dirnen;
wer eine Zeitung sich hält, hat, neben der Makulatur, noch ihre Meinung sich angeschafft; er braucht nicht mehr zu denken, noch zu sinnen;
schwarz auf weiß ist bereits für ihn gedacht, was von Gott und der Welt zu halten ist."

Aus: Richard Wagner: "Beethoven", geschrieben zum 100. Geburtstag von Ludwig van Beethoven, August/September 1870
--------------------------------------

Lingua Tertii Imperii oder die Sprache der bundesrepublikanischen Medien?

Bei der Zeitungslektüre und den deutschen "politischen Berichterstattungen" im TV (es sind keine Berichterstattungen mehr, sondern politisch propangadistische Darstellungen mit stereotypen, emotional aufgepeppten, in eindeutige, gänzlich zweifelsfreie Richtungen gelenkten Redewendungen), suchte ich heute ängstlich bemüht, die nackten Tatsachen - sie sind in ihrer Nacktheit schon trostlos genug - aus der ekelhaften Brühe der Reden, Kommentare und Artikel herauszufischen, was eben heute, 6. März 2011 (heute über ein Jahr nicht anders!), nicht gelang (Bericht aus Berlin im ZDF = Zweites Dürftiges Fernsehen): Nazistisches wehte mich an in dem "Bericht aus Berlin", in den Einzelworten, den Redewendungen, den Satzformen, die die Medienvertreter ihren Hörern in millionenfachen Wiederholungen aufzwingen, und die mechanisch und unbewußt übernommen werden sollen.
Was hörte ich heute im ZDF, moderiert von Frau Schausten? Es wird "etwas hängen bleiben" (sie arbeitet daran): Der "Held" ist weg (Nazideutsch!), "der Siegfried ist weg" (auf den Ausruf kann sich Herr Prantl etwas einbilden), "eine große Leere tut sich auf" (eine Platitüde), das "Tal der Tränen" (Banalisierung und Simplifizierung einer vieldeutigen Aussage), "Taktieren auf Kosten der Moral" (Danke, Frau Schausten!) Weitere Begriffe wie Blamage, Verrat, Empörung in engen Zusammenhang gebracht mit Oktoberfest, pudelwohl, Ethik der Genauigkeit sind stilistische Höhepunkte medialer Rhetorik.
Die absolute Herrschaft, die das Sprachgesetz der winzigen Gruppe oder eines/er TV- Mannes oder -Frau ausübt, erstreckt sich über den gesamten deutschen Sprachraum mit um so entschiedenerer Wirksamkeit, als die Mediensprache keinen Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache kennt. Vielmehr: alles in ihr ist Rede, muss Anrede, Anruf, Aufpeitschung sein. Zwischen Talk Shows, Nachrichten und Kommentaren gibt es keinerlei stilistischen Unterschied, weswegen sich alles bequem deklamieren lässt. Deklamieren heißt wörtlich: mit lauter Stimme, tönend daherreden, noch wörtlicher: herausschreien. Der für alle Welt verbindliche Stil ist also der des marktschreierischen, auch Quoten bringenden Agitators … (dieser Text ist keine gedankliche Eigenleistung, denn er zitiert Absätze und denkt entlang an den Worten von Victor Klemperer. )

Hier noch ein Beitrag zur nicht hinnehmbaren Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, gefunden in

http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000810

bkotchoubey
19.03.2011 22:28

Lange her, vielleicht vor 30 Jahren, wurde mir als Beispiel der "faschistischen Propaganda" ein deutscher Film aus dem Jahr 1938 oder 39 gezeigt. Es handelte sich um die Große Depression. Man sah die Warteschlangen trauriger, abgemagerter Arbeiter, die stundenweise auf einen Teller Suppe gewartet haben. Die Stimme im Hintergrund erzählte die Biografien der jüdischer Bänker aus New York: Name, Geburtsdatum, wichtigste Geschäfte, geschätzes Kapital. Die Krux des ganzen Stückes bestand aber darin, dass der Text mit KEINEM einzigen Wort die vermeintliche Schuld der Juden an der wirtschaftlichen Katastrophe 1929-30 angedeutet hat! Er hat bloß über die Bänker gesprochen, fast objektiv. Formal gab es also zwischen Text und Bild gar keinen Zusammenhang. Diesen Zusammenhang sollte der Zuschauer SELBSTÄNDIG herstellen.
Und sieh da! Am 16.3. schaue ich das ZDF an und traue meinen Augen nicht. Man sieht die von Erdbeben und Tsunami verwüstete Landschaft Japans; die traurigen Menschen, die nach den Leichen ihrer Liebsten suchen; und die Retter, die diese Leichen bergen. Die Stimme im Hintergrund erzählt über die immer noch unterschätzten Gefahren der Kernenergie, über unsere Unfähigkeit,diese Energie zu beherrschen. Mit keinem einzigen Wort wird angedeutet, dass die Kernenergie das unmenschliche Leid, das wir im Bild sehen, auf welche auch immer Art und Weise verursacht hat (was ja offensichtlich eine Lüge wäre). Zwischen Text und Bild besteht logisch gesehen gar kein Zusammenhang. Diesen Zusammenhang soll der Zuschauer SELBSTÄNDIG herstellen.
Ich hätte wirklich gut bezahlt, um zu erfahren: Wer bei ZDF kennt sich in den Archiven des damaligen Propagandaministeriums so gut aus?

-----------------------------------------------

"Die Zeitung soll ein Straßenagitator sein. Unsere Presse ist fast ausschließlich von dieser Tendenz bestimmt. Ihr Ziel ist nicht, zu informieren, klare objektive Tatbestände zu vermitteln, sondern anzuspornen, anzufeuern, anzutreiben. [...] Die Presse zieht aus ihren Informationen politische Konsequenzen, aber sie überläßt es nicht dem Leser, sich diese nach eigenem Geschmack zu bilden. (Weshalb vor der Ausstrahlung der Neujahrsrede der Bundeskanzlerin und vor dem Interview des Bundespräsidenten Christian Wulff bereits von den Journalisten gewählte Ausschnitte gezeigt und "persönlich" mit klaren parteipolitisch konnotierten Einschätzungen kommentiert werden. Der Zuschauer soll bereits manipuliert in die komplette Ausstrahlung gehen). Sie betreibt vorsätzlich und bewusst seine politische Beeinflussung. Sein ganzes Denken und Empfinden soll mit ihren Mitteln in eine bestimmte weltanschauliche Richtung hineingezwungen werden. Aufgabe des Redners und Aufgabe des Journalisten decken sich. Dieser versucht, durch die Wucht seiner Ansprache den Zuhörer zu gewinnen, jener bemüht sich mit der überzeugenden Gewandtheit seiner Feder um ein gleiches Ziel. Es ist nicht der Sinn einer Propaganda (heute Kampagnenjournalismus), geistreich zu sein. Ihre Aufgabe ist, zum Erfolg zu führen. Hat ihre Wesensart den Menschenkreis erfaßt, den sie gewinnen wollte, dann war sie vermutlich gut; wenn nicht, so ist sie schlecht gewesen. Keiner kann deshalb von ihr sagen, daß sie zu roh, zu gemein sei oder nicht anständig genug wäre. Sie soll dies auch gar nicht. Sie soll nichts, als zum Erfolge führen."
( Joseph Goebbels: Der Kampf und seine Mittel. In: W. Kube (Hg): Almanach der nationalsozialistischen Revolution, Berlin 1933)

"Vor allen Dingen muß mit der Meinung aufgeräumt werden, weltanschauliche Gebilde könnten die Menge befriedigen. Erkenntnis ist für die Masse eine schwankende Plattform. Was stabil ist, ist das Gefühl, der Haß. [...] Was die Masse fühlen muß, ist der Triumph der eigenen Stärke, die Verachtung des Gegners." (aus Hitlers Rede vor dem Hamburger Nationalklub am 28. 2. 1926)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Welches Geld die heutigen deutschen Vordenker produziert und klont,
kann man hier nachlesen und sich auch mal abseits von "Bild" ein Bild machen:


http://www.mediadb.eu/datenbanken/deutsche-medienkonzerne.html

 

zurück zu musiktext.de